Erste Textauswahl zum Projekt BEIDES vom 10.08.2014
Die Namen der Autorinnen und Autoren werden zum Ende des
Projektes Anfang Oktober 2014 ergänzt.

 

 

Weg das Wort wohin

Manche Äußerungen
fallen in die Welt
wie Sternschnuppen-Worte
verlassen uns wieder
in Richtung Gleichgültigkeit
und werden posthum sinnlos

manchmal sind wir
schutzlos ausgeliefert
den vollständigen Sätzen
einer unvollständigen Aussage

Bleibt die Frage:
Wie lassen sich meine Worte
unbeschädigt
in die Stille der Zukunft tragen?

 

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Nah und Fern

Mein Vater
der frohe Klang
seiner Handharmonika
und Opas Klarinette
ein fröhliches Pfeifen
und immer ein kleines Tänzchen
rhythmisches Geklappere
mit zwei Löffeln
ein Lachen
ein Geruch
nach Metall und Flieder
feste Hände
und ein Liedchen beim Holzhacken
heute nur noch
Erinnerung:
Mein Vater

 

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Gedanken einer Alten
Ungeordnet
Von mir aus

Nachts fällt mir so viel von früher ein
Mein Leben war so bunt
Es war gut wie es war
Doch es war oft ein Kampf
Das Schlechte & das Gute hab ich selbst mir eingebrockt

Ich lebe gerne
Ja sehr gerne
Ich bin gerne ich
Ob ich mich liebe

Oft ertappe ich mich dabei, wie ich mich selbst beobachte
Ich rede mit mir
Stelle mir Fragen
Gib dir Antworten

Oft denke ich über Vergangenes nach
Es gibt keine Zufälle
Das einfach nur Dagegen-sein hat nie was genutzt
Lass alles unbereut

Von der Zukunft träum ich nicht
Lebe jetzt
Sag dem Abenteuer dass ich komme

 

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Gedanken zu Nah & Fern aus der Perspektive einer
Berufspendlerin

Nah und Fern sind in meinem Lebensgefühl ineinander verwoben.

Nahe Ferne: bin ich zu Hause, weiß ich, dass dies nur für eine kurze
Zeit ist und ich bald wieder in die Ferne reise werde, reisen muss.

Ferne Nähe: bin ich an meinem Arbeitsort verwandelt sich ‚zu Hause‘
in ein Wunschterritorium, das mit dem Versprechen auf Nähe und
Geborgenheit verbunden ist.

Bin ich zu Hause….

 

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FERN und NAH

Nach dem Tod eines geliebten Menschen
explodieren:
Gedanken
Gefühle
Reaktionen

FERN ist der Mensch, sein Leib verwandelt in Asche
FERN im dunklen Grab
FERN für immer

NAH
ist der Schmerz, die Trauer
NAH ist seine Geistigkeit
NAH die Erinnerungen an pralles Leben
NAH der Wunsch nach Wiederkehr

 

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Eine Reise durch die Nacht

Zugfensterblitzen
Scheinwerferstrahl
Müde Gedanken bis irgendwo
Ein Kaffeebecherklirren
Großstadtrauschen Hintergrund
Betongrau und Wartehallenneon
Durchsagenscheppern
und Schienenfahrtrattern
Formen die keine Namen haben
Hintergründe, Zwischenräume
dem Ziel entgegen
durch die schwarze Bläue
über dem Land

 

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Hinter dem Mond

Ich habe mir angewöhnt,
einen Teil des Jahres
hinter dem Mond zu leben.
Warum auch nicht.
Andere
verbringen den Winter
auf Mallorca.

 

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Gedanken zu Gefühl –Vernunft

Meine Gedanken bestimmen meine Gefühle.
Wähle ich das halbvolle oder das halbleere Glas?

Das HALBVOLLE kann bedeuten:
• Fülle des Lebens
• gute Gespräche
• Heiterkeit
• positive Erlebnisse
• Zufriedenheit
• Glücksgefühle
• erlebnisreiche Begegnungen
• Gelassenheit

Das HALBLEERE kann signalisieren:
• Leere
• Stille
• Dunkelheit
• Verlassenheitsgefühl
• Einsamkeit
Eine Spirale in Erwartung des Negativen beginnt sich zu drehen
tief in eine Depression.

 

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Es erscheinen Dinge vor und hinter dem Licht

Es erscheinen Dinge
vor und hinter dem Licht -
und manchmal
trennen klare Gedanken
scheinbar das Meer –
sie führen Gutes im Boote.

So schwimmt sich Unordnung frei
und Chaos wird Muster und Weg,
wenn das allumfassende Sternennetz
seine zärtliche Umarmung löst
bei Sonnen-Aufgang
und im Gleichklang der Sinne
die Farben der Seele wandelt.

Das Vertrauen in die Kraft
der Bewältigung
stürmischer Fernen und Weiten
verhilft dem Augen-Blick
zur Ruhe
und meinem Denken
zum Ziel.

Es erscheinen Dinge
vor und hinter dem Licht!

 

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Beam me home, Scotty

Auf dem Gang zu meinem Büro hängt ein Gerät an der Decke, das für
alle einen Wlan-Zugang ins Internet ermöglicht. Das Gerät sieht
allerdings genauso aus wie die Vorrichtung in der Enterprise, mit der
Personen entmaterialisiert und – ohne Zeitverlust – an jeden
erdenklichen Ort im Universum gebeamt werden können. Irgendwie
scheint es noch niemand gemerkt oder gar ausprobiert zu haben.


Vielleicht sollte ich es einfach versuchen.
Wär das schön, wenn ich mich nach der Arbeit
einfach nach Hause beamen lassen könnte.

 

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Ein Sommernachtstraum

Der Frosch
quakt.

Der Mann
schnarcht.

Die Frau
träumt Blödsinn.

 

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Ist einer an Nähe gebunden,
hat seine Phantasie die kreative
Möglichkeit, sich fernste Fernen
zu erobern.

 

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Begegnungen im Internet

Es gibt Begegnungen
per Tastatur
die machen sprachlos
obwohl es vieler Worte bedarf
Gleich-Gedanken und Verstehen
Mit einem Klick als Freund hinzugefügt
Aber mir fehlt das Ansehen
der Linien deines Gesichts
Und was macht man mit der Frage:
Möchtest du gerne
mit mir
einen Apfelpfannkuchen essen?

 

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Im Wesen eines Menschen
wirken offenbar
zu Zeiten Hass und Liebe
bipolar.
Falls provoziert, braucht´s oft
nur kurze Weil´,
dass eines umschlägt in
sein Gegenteil.

 

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Balancieren
auf der großen Zehe
die Schwerkraft
stört mich heute nicht.

 

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Magisches Denken

Wenn ich in einer anderen Stadt bin und ich den Namen der Straße sehe,
in der ich wohne, gehe ich oft zu dem Haus, dass die gleiche Hausnummer
trägt und stelle mir vor, dass eine Verbindung zwischen beiden besteht und
ich nur den geheimen Gang finden muss, der beide miteinander verbindet.

 

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Lichtgedanken

Wenn das Licht im Garten schaukelt
sich in Spinnennetzen fängt
mit den Blütenfarben gaukelt
wie ein Diamant dort hängt
springt auf Stangenbohnenspitzen
macht in Pappelkronen Rast
will auf Kürbisblättern sitzen
wandert leis` von Ast zu Ast
Ruh ich in mir selber aus
Ist das Leben mein zu Haus!

 

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Du

Du bist
mein Sommer
meine Sonne auf der Haut
und der weiche Lufthauch
der sie streichelt.

Du bist
in meinem Lächeln
und in der Lust
meiner Lippen.

Du bist das Liebste was ich habe
und doch nicht habe.
Und so
bist du
meine Sehnsucht
und jede Träne
in meinem Lachen.

 

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Spuren von Licht und Schatten

Im licht-umspielten Rhythmus deiner Gassen
erhalten Wege einen neuen Sinn,
wo Menschen Schatten still verlassen
und mit dem Lichte zieh’n dahin.

Die Spuren, die aus Helligkeit geboren,
verwandeln Nacht und Dunkelheit
und das, was traumverloren,
erscheint nun plötzlich himmelweit.

Du öffnest Türen, die verschlossen;
du siehst im Kreuz den Hoffnungsschimmer;
du spürst die Nähe, lichtumflossen,
und früh’re Wege gehst du nimmer.

Kraftvoll die Schritte wie Gebete,
wenn strahlend-weiß die Stadt zum Schlaf sich legt
und Wohlgefühl, dem ähnlich einer heil’gen Stätte,
den ungetrübten Sternenhimmel webt.

Und so zum nächtlich Himmelszelt erhoben,
webt ruh’ger Schlaf zum Glauben sich;
es löst sich auf, was schien verwoben,
vertraulich führt ein DU das ICH.

 

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